NiklasAm 28.05.2000 wurde Niklas fünf Minuten vor Mitternacht geboren. Es war eine schnelle und problemlose Geburt. Niklas war 1/2 Stunde alt, als ich ihn das erste Mal im Kreißsaal anlegte. Es war eine sehr ruhige, entspannte Atmosphäre und der kleine Kerl fand auch sehr schnell die Brust. Es war, als ob durch das Stillen ein sehr intensives Kennen lernen stattfand und es kostete ziemliche Überwindung, ihn nach kurzer Zeit wieder "abzudocken".Am nächsten Tag wurde mir dann von den Krankenschwestern anfangs beim Anlegen geholfen. Hier zahlte es sich aus, dass ich das "Stillbuch" vorab verinnerlicht hatte, denn eine Schwester stopfte Niklas ziemlich rigoros die Brust in den Mund und als er protestierte, meinte sie, wir würden es dann später noch mal versuchen. Als sie das Zimmer verließ, versuchte ich es dann alleine in Ruhe noch einmal. Und siehe da: kein Problem! Diese Schwester war übrigens ein Einzelfall, hatte es aber doch geschafft, mich etwas zu verunsichern. Von da an rief ich mir bei Schwierigkeiten immer wieder die Kernaussage des "Stillbuches" ins Gedächtnis: Es gibt für jedes Stillproblem eine Lösung - lass dir da nichts Negatives einreden! Ich stillte Niklas in 4-Stunden-Abständen. Jeweils nach 3 Stunden setzten bei mir Unruhe und leichte Depressionen ein und ich sehnte das Stillen herbei. Denn anschließend ging es mir gleich wieder besser. Jaja, die Hormone... Dass diese bei mir anscheinend eine sehr große Rolle spielten, sollte ich immer wieder bemerken! Niklas war ein sehr schläfriges Kind. Um ihn zu stillen musste ich ihn lange Zeit "wachwickeln". Die ersten drei Monate ließ Niklas sich überall stillen: Im Bett, auf dem Sofa, in fremden Wohnungen, im Auto, im Bus, in Umkleidekabinen, auf Parkbänken... Er hatte seine innere Uhr: Nach zehn Minuten pro Seite dockte er sich ab. Dann wurde es komplizierter. Er wartete lieber bis zu sieben (!) Stunden auf die eigenen vier Wände, als sich woanders stillen zu lassen. Nur das Auto war noch für einen kurzen "Drink" akzeptabel. Anfangs war ich sehr beunruhigt, versuchte immer wieder, ihn nach 4 Stunden unterwegs anzulegen. Dann aber fand ich mich damit ab, dass er es ablehnte und ich versuchte, nur noch in Ausnahmefällen erst nach 5-6 Stunden wieder zu Hause zu sein. Niklas konnte mich kaum aus der Ruhe bringen, aber wenn er nicht trank, wurde ich ziemlich wütend und genervt. Schließlich war ich darauf programmiert zu stillen (wieder die Hormone?) und zwar regelmäßig - mit diesem Rhythmus stand und fiel meine gesamte Selbstsicherheit und Ausgeglichenheit. Morgens, abends und anfangs auch nachts wurde Niklas im Bett gestillt. Abends schlief er lange Zeit an meiner Brust ein, ich trug ihn dann vorsichtig in sein Bett hinüber - was natürlich immer häufiger schief ging. Im sechsten Lebensmonat musste er daher lernen, alleine in seinem Bettchen einzuschlafen. Ich wollte Niklas auf alle Fälle sechs Monate voll stillen. Nach fünf Monaten begann er, uns immer intensiver beim Essen zu beobachten und "kaute mit". Außerdem zickte er beim Stillen immer mal herum und trank oft erst, wenn man ihm einige Tropfen Milch auf die Zunge geträufelt hatte. Da er im Alter von genau sechs Monaten an einem doppelseitigen Hodenwasserbruch operiert werden musste, zögerte ich die erste Breimahlzeit auf die Zeit danach hinaus. Das war nicht leicht, denn ob gefragt oder ungefragt: Fast jede(r) hatte auf meine zwischenzeitlichen Schwierigkeiten beim Stillen nur eine Antwort parat: "Das Kind wird nicht mehr satt! Wo es doch sowieso so zierlich ist!" Sogar mein Mann kam mit dieser Theorie und ich war einerseits genervt, andererseits unsicher. Nur eine stillende Freundin teilte meine Meinung, dass sich Angebot und Nachfrage wieder einpendeln. Und richtig: Nach ca. 1 Woche trank Niklas wieder ruhiger. Im Krankenhaus habe ich übrigens auch das erste (und einzige) Mal abgepumpt. Ich war froh, damit nicht häufiger zu tun zu haben zu müssen. Niklas war sehr neugierig auf die Mittags-Breimahlzeit, die Umstellung klappte super. Nachmittags hat Niklas sich dann mit 7 1/2 Monaten selbst abgestillt, er wollte partout auf dem Sofa nicht mehr gestillt werden: Er trank höchstens drei Minuten, dann brüllte er los und machte sich steif wie ein Brett. Den alternativ angebotenen Getreide-Obst-Brei futterte er fleißig weg. Er wurde nur noch morgens ein- bis zweimal und einmal abends jeweils im Familienbett gestillt. Mit neun Monaten stillte Niklas sich dann abends ab (er bekam seit 1 Monat Haferflockenbrei plus Brust), denn er wollte "ohne Umweg über´s Familienbett" in sein eigenes Bett. Als Niklas dann mit gut zehn Monaten morgens sehr früh wach wurde, nur noch quengelte und nörgelte, wurde ich wütend. Ich überließ Niklas morgens meinem Mann und zog ins Wohnzimmer um. "Dann stille ich dich eben nicht mehr!" Nach drei Tagen hatte Niklas sich beruhigt - und war abgestillt. Er hat am vierten Morgen ein Mal kurz die Brust gesucht, aber er wirkte, als könne er sich selbst nicht mehr genau erinnern, wonach er eigentlich sucht. Mir fiel dieser Stillabschied schwer, weil ich das Gefühl hatte, den Abstill-Zeitpunkt entschieden zu haben und nicht Niklas. Andererseits war sein Quengeln vielleicht ein Zeichen, dass er genug hatte... Ich war jedenfalls einige Tage lang sehr nah am Wasser gebaut, war wohl die Hormonumstellung... Als Ausgleich für die Nähe beim Stillen knuddelt und kuschelt Niklas übrigens wesentlich mehr als früher. Nette Geste, findet auch sein Papa... Insgesamt war es eine sehr schöne, harmonische Stillzeit. Ich hätte vorher nie gedacht, einmal so ohne Hemmungen in der Öffentlichkeit stillen zu können. Negative Reaktionen habe ich diesbezüglich nie zu spüren bekommen, eher im Gegenteil Bewunderung. Die Dauer der Stillbeziehung wurde dagegen schon mal mit einem "Was? Du stillst immer noch?" kommentiert. Da klang oft der Vorwurf des "Nicht-Loslassen-Könnens" durch. Ich bin aber froh, auf das eigene Gefühl und auf Niklas vertraut zu haben. Eike und Niklas
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