Morian

Bereits vor und während der Schwangerschaft war ich mir vollkommen sicher, dass ich stillen wollte. Da ich jedoch praktisch gar keine Brust habe (hatte), war ich mir nicht sicher, ob es überhaupt funktionieren würde. Wie man sieht,  hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht allzu viel Ahnung und ich habe ständig von Bekannten gehört, dass es aus irgendwelchen Gründen bei ihnen nicht geklappt hat. Jedenfalls freute ich mich darauf und war auch voller Zuversicht, dass es schon irgendwie klappen würde. Am 22.11.2000 war es dann um 23.28 Uhr soweit. Unser kleines Sternenkind Morian David wurde im Geburtshaus mit einer kurzen, dafür umso heftigeren Geburt geboren. Nach dem ausgiebigen Kuscheln war der erste Nuckler überhaupt kein Problem. Ich war natürlich megaglücklich, dass alles so gut gelaufen ist und auch das Stillen schien ja kein Problem zu sein. 
In den nächsten Wochen wurde es dann schon anstrengender. Meine Hebamme hielt es für ganz wichtig, den Kleinen alle 2 Stunden für jeweils 20 Minuten an jeder Seite anzulegen. Es war ziemlich anstrengend, denn Mo- schlief ständig ein und ich hatte das Gefühlt eigentlich nur noch aus Brust zu bestehen. Bis ich beide Seiten "hinter" mir hatte war auch schon über eine Stunde vergangen und somit war kaum Zeit um auszuruhen, bis er schon wieder trinken sollte. Wir hatten unsere liebe Mühe,  ihn immer wieder aufzuwecken, anzulegen und dann dafür zu sorgen, dass er nicht wieder einschläft. Im Nachhinein glaube ich, dass ich damit das Schlafverhalten von Morian ziemlich gestört habe - aber ich wusste es ja nicht anders.
Irgendwann war ich diesen Stress einfach leid und habe mir gesagt: er wird sich schon melden, wenn er das Bedürfnis hat zu trinken. Genau so war es dann auch. Seit diesem Zeitpunkt stille ich den Kleinen ganz nach seinem Bedarf und hatte keinerlei Probleme. Er wächst und gedeiht und wiegt mit seinen 21 Wochen schon längst mehr als das Doppelte seines Geburtsgewichtes.
Wir wurden also mit der Zeit eines eingespieltes Team und stillen in allen Lebenslagen und in allen Variationen. Von der sechsten Woche bis zur 18. Woche hatten der Kleine sehr starke Blähungen und war an manchen Tagen ausschließlich an meiner Brust. Man nennt es wohl Trostnuckeln. Am Anfang habe ich noch versucht, ihm einen Schnuller anzubieten, oder ein Fläschchen mit Fenchel/Kümmel/Anistee - aber es war nichts zu machen. Er mag kein Fläschchen und keinen Schnuller - alles was er will ist Mamas Brust. Meistens kam ich damit sehr gut klar und doch gab es Situationen, wo mir das ständige Nuckeln ziemlich auf den Wecker ging. Ich konnte nichts anderes mehr tun, als ihn anzulegen. Kaum war ich 10 Minuten außer Sichtweite, ging das Gejammer wieder los. Auch für meinen Schatz war es nicht einfach, damit umzugehen. Er versuchte immer unseren Kleinen so zu beruhigen und war dann ganz traurig, weil nichts anderes half: die Brust musste her. Zu der Zeit habe ich mir gewünscht, dass er bald fünf Monate alt ist und ich mit dem Abstillen beginnen kann. 
Doch auch diese Phase haben wir mittlerweile alle super überstanden. Ich fühle mich langsam ein bisschen unabhängiger, kann z.B. wie jetzt mal eine Mail schreiben, und wenn er mich dann braucht, bin ich da. Es gibt immer noch Tage, die er am liebsten ausschließlich an der Brust verbringt und mittlerweile genießen wir diese Tage alle drei. Doch all diese schwierigen Momente sind nichts im Vergleich zu den wundervollen Augenblicken. Wenn der Kleine mich beim Trinken anhimmelt, meine Brust streichelt, unsere Hände miteinander knuddeln und er sich - wie seit drei Wochen jeden Abend - selbst andockt um an und mit meiner Brust einzuschlafen. 
Der erste Versuch, ihm in der 17.ten Woche Karottenbrei zu füttern, scheiterte kläglich. Nicht am Löffelchen - das funktionierte prima und die Karotten haben ihm auch geschmeckt, aber: es hatte wahnsinnige Bauchschmerzen zu Folge. Mein Kinderarzt fragte uns, warum wir uns selbst solche Problehme machen und ihn nicht einfach bis zum 6.ten Monat durchstillen. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass das geht und war der festen Meinung, ich müsste ihm jetzt etwas zufüttern. Umso erleichterter war ich und stillte weiter.
Jetzt nähert er sich langsam dem Ende des sechsten Monats und macht keine Anstalten sich abzustillen. Mein Mann und ich haben uns - dank der ichstille.de und wirstillen.de-Seiten dazu entschlossen, unserer Intuition zu folgen, und Morian den Zeitpunkt des Abstillens selbst zu überlassen. Allerdings würde es mich schon interessieren, wann der Papa ihm mal ein Obstgläschen geben kann. Ich bin jedoch sicher, dass ich das auf diesen Seiten auch noch rausfinden werde. 
Noch etwas zum Stillen in der Öffentlichkeit: ich stille von Anfang an zu jeder zeit an jedem Ort. Ich stille im Sitzen, im Liegen, im Laufen - alles kein Problem. das wichtigste ist doch, dass wir uns dabei wohlfühlen und was andere Menschen dazu sagen oder darüber denken ist uns ehrlich gesagt total schnuppe!
Meine Freunde nennen mich liebevoll: die Mutter der Nation und solange sie mich nicht mit Marie-Louise Marjan verwechseln finde ich das ein nettes Kompliment.

Tom, Gabs, und Morian 
aus Zwingenberg

 

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