Checkliste für Sie als Stillende:

Elke Vogt Leider läßt es sich nicht immer vermeiden, dass Sie in der Stillzeit ein oder mehrere Medikamente einnehmen müssen. Schliesslich soll es Ihnen als Mutter auch gut gehen und Sie sollen auch gesund bleiben oder wieder werden. Bei Ihren Überlegungen, ob Sie ein Medikament benötigen, kann Ihnen die nachstehende Checkliste behilflich sein. Mit Hilfe dieser Liste möchte ich Sie auch sensibel machen, wie Sie beim Arztbesuch mit einer Verordnung umgehen und letztendlich auch dort selbstbewußt als Stillmutter auftreten.

  • Brauche ich dieses Medikament wirklich?
    Hat mein behandelnder Arzt dieses Arzneimittel verordnet oder nehme ich es nur aus einer alten Gewohnheit ein? Nehmen Sie bei auftretenden Kopfschmerzen sofort ein Aspirin, anstatt es vorher mit Entspannung und frischer Luft zu versuchen?
  • Habe ich meinen Arzt informiert, dass ich stille?
    Ihr Arzt oder Ihre Ärztin sind die Fachleute, die darüber am besten informiert sind und Sie entsprechend beraten können, welches Medikament Sie einnehmen müssen. Wenn Sie zweifeln, holen Sie sich am besten zusätzlich die Meinung Ihres Kinderarztes ein! Widersprechen sich die Meinungen Ihres Arztes und Kinderarztes, dann sollten Sie sich an einen dritten Fachmann wenden. Bleiben Sie hartnäckig, wenn Sie abstillen sollen. Der Einwand, Sie würden ja sowieso schon "lange" stillen, können Sie zurückweisen. Das ist ganz allein Ihre persönliche Entscheidung! In den allermeisten Fällen gibt es ein verträgliches Medikament für die Dauer der Stillzeit.
  • Gibt es verträglichere Methoden zu meinem Medikament?
    Haben Sie schon überlegt, ob alternative Heilmethoden für Sie in Frage kommen, um Ihnen Linderung oder Heilung zu ermöglichen? Akupunktur ist da zum Beispiel eine Alternative. 
  • Diabetes erkrankte Müttern beachten bitte folgendes:
    Falls Sie Diabetikerin sind, so müssen Sie sich von Ihrem Arzt/Ärztin darüber beraten lassen, ob Sie die Behandlung wie bisher weiterführen sollen oder inwiefern diese sich aufgrund des Stillens verändern muß. Bedenken Sie, dass Insulin nicht in die Muttermilch über geht, aber Sie als Mutter haben durch den veränderten Hormonhaushalt in der Stillzeit auch einen veränderten Insulinbedarf.
  • Bitten Sie Ihren behandelnden Arzt gegenenfalls um ein Medikament mit den geringsten Nebenwirkungen:
    Wenn Sie nach der Geburt Ihres Babys an Verstopfung leiden, dann sollten Sie nicht sofort zu einem
    abführenden Medikament greifen oder sich verordnen lassen. Es besteht die Möglichkeit bei einigen abführenden Medikamenten, dass Ihr Baby Durchfall bekommt. Eine bessere Alternative sind zum Beispiel Leinsamen und Weizenkleie. Wichtig ist hierbei, dass Sie ausreichend trinken, damit sie auch tatsächlich wirken können. Selbst Trockenobst (z.B. ungeschwefelte Trockenpflaumen) helfen gut. Bitte beachten Sie aber, sie anfänglich nur in kleinen Mengen zu nehmen, da es auch beim Baby abführend wirken kann.
  • Stellen Sie fest, dass sich seit der Einnahme eines Medikamentes sich Ihre Milchmenge vermindert oder ob sich die Muttermilch in Ihrer Brust staut?
    Es gibt einzelne Medikamente, die die Menge der Muttermilch verringern oder den  Milchspendereflex negativ beeinträchtigen. Um festzustellen, ob das von Ihnen eingenommene Medikamente solche Wirkungen hat, informieren Sie umgehend Ihren Arzt/Ärztin! Ganz bestimmt gibt es ein anderes Medikament für Sie, so dass Sie nicht abstillen müssen. Treten Sie selbstbewußt und zielsicher bei dieser erneuten Beratung dem Arzt/Ärztin gegebüber auf.
  • Sind allergische Reaktionen auf das Medikament innerhalb Ihrer Familie bekannt?
    Wenn dies der Fall ist, dann besprechen Sie dies unbedingt mit Ihrem Arzt/Ärztin und bitten Sie um ein anderes nicht allergieauslösendes Medikament.
  • Verhält sich Ihr Baby seit dem Zeitpunkt anders, seit dem Sie begonnen haben, das Medikament einzunehmen?
    Falls ja, dann kontaktieren Sie umgehend Ihren behandelnden Arzt. Das kann dann der Fall sein, wenn Ihr Baby oder Kleinkind plötzlich ungewöhnlich lange schläft, Mahlzeiten ausfallen läßt und weniger lebhaft ist als gewohnt. Es muß aber nicht unbedingt an der Medikamenteneinnahme liegen. Dennoch muß sie als mögliche Ursache ausgeschlossen werden. Deshalb wie gesagt, sollten Sie unverzüglich bei solchen Beobachtungen Ihren Arzt aufsuchen!
  • Wird das Medikament als in der Stillzeit unbedenklich beschrieben?
    Damit Sie diese Unbedenklichkeit herausfinden, lesen Sie aufmerksam den
    Beipackzettel. Gibt er keine nähere Information dazu, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt/Ärztin. Auf dem Beipackzettel ist die Telefonnummer des pharmazeutischen Herstellers ersichtlich, sodass Sie im Zweifelsfall sich direkt bei der Firma erkundigen können. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Sie Ihren Arzt auf das !Buch "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" von Schäfer und Spielmann 6. Auflage Juni 2001 aufmerksam machen. Leider haben nicht alle Ärzte dieses wichtige Fachbuch vorliegen und sind sicherlich dankbar für Ihren Hinweis.

  • Erkundigen Sie sich bei Ihre Arzt/Ärztin, zu welchem Zeitpunkt Sie das Medikament am besten einnehmen sollten!
    Jedes Medikament braucht eine bestimmte Zeit bis es seine volle Wirkung zeigt und sie auch entfaltet. Wirkt ein Medikament innerhalb kürzester Zeit nach seiner Einnahme, so sollten Sie es nicht unmittelbar vor dem Stillen einnehmen. Die Medikamenteneinnahme sollte so geplant werden, daß der Zeitpunkt der höchsten Wirksamkeit nicht mit der Stillmahlzeit zusammenfällt. Oftmals ist dies im Einzelfall nicht immer möglich, vor allem wenn Ihr Baby oder Kleinkind keinen festen Rhythmus hat. Trotzdem sollten Sie sich von Ihrem Arzt/Ärztin über den optimalen Zeitpunkt der Einnahme beraten lassen.

  • Folgende Fachbücher sind für Ärzte und Apotheker empfehlenswert:

    • Spielmann, Schaefer „ Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" 
    6. Auflage Juni 2001 Urban und Fischer Verlag

    • Kleinebrecht, Franz und Windorfer: „Arzneimittel in der Schwangerschaft  und Stillzeit" Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart.

    Für spezielle Fragen zum Thema Medikamente bietet die Universitätsklinik in Ulm eine telefonische Beratung an. 
    Die „Beratungsstelle für Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit" ist von 
    Montag bis Freitag in der Zeit von 8-16 Uhr unter der Telefonnummer 
    07 31 /5 02 76 25 oder unter der Faxnummer 07 31/5 02 66 80 oder 5 02 66 74 erreichbar. Anschrift: "Beratungsstelle für Medikamente in der Schwangerschaft und Stillzeit" in der Prittwitzstraße 43, 89075 Ulm. Hier können Fachleute, aber auch Sie als Privatperson sich informieren und beraten lassen.

    Die "Beratungsstelle des Embryonaltoxikologischen Institutes" in 14050 Berlin 
    Spandauer Damm 130 Telefon 030 - 30 686-734 kann Ärzten und Apothekern ebenfalls 
    Auskunft geben. http://www.giftnotruf.de/embryotox/index.htm

    Zu guter Letzt:
    Ich möchte Ihnen mit dieser Checkliste, die sich an die Informationen aus dem Buch 
    "Stillen und Stillberatung" von Carina Kroht Ullstein Medical Seite 102 und 103 beziehen, eine hilfreiche Unterstützung während einer Erkrankung mit Medikamenteneinnahme bieten. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen von Herzen 
    Gute Besserung!

     © Elke Vogt 

 

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© Elke Vogt, "ichstille.de" 2000 - 2002  -  Anregungen und Ideen an info(at)ichstille.de 
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