Checkliste für Sie als Stillende:
Leider läßt es sich nicht immer vermeiden, dass Sie in der Stillzeit ein
oder mehrere Medikamente einnehmen müssen. Schliesslich soll es Ihnen als Mutter auch gut gehen und Sie sollen auch gesund bleiben oder wieder werden. Bei Ihren Überlegungen, ob Sie
ein Medikament benötigen, kann Ihnen die nachstehende Checkliste behilflich sein. Mit Hilfe dieser Liste möchte ich Sie auch sensibel machen, wie Sie beim Arztbesuch mit einer
Verordnung umgehen und letztendlich auch dort selbstbewußt als Stillmutter auftreten.
- Brauche ich dieses Medikament wirklich?
Hat mein behandelnder Arzt dieses Arzneimittel verordnet oder nehme
ich es nur aus einer alten Gewohnheit ein? Nehmen Sie bei auftretenden
Kopfschmerzen sofort ein Aspirin, anstatt es vorher mit Entspannung
und frischer Luft zu versuchen?
- Habe ich meinen Arzt informiert, dass ich stille?
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin sind die Fachleute, die darüber am besten informiert
sind und Sie entsprechend beraten können, welches Medikament Sie einnehmen
müssen. Wenn Sie zweifeln, holen Sie sich am besten zusätzlich die
Meinung Ihres Kinderarztes ein! Widersprechen sich die Meinungen Ihres
Arztes und Kinderarztes, dann sollten Sie sich an einen dritten
Fachmann wenden. Bleiben Sie hartnäckig, wenn Sie abstillen sollen.
Der Einwand, Sie würden ja sowieso schon "lange" stillen,
können Sie zurückweisen. Das ist ganz allein Ihre persönliche
Entscheidung! In den allermeisten Fällen gibt es ein verträgliches
Medikament für die Dauer der Stillzeit.
- Gibt es verträglichere Methoden zu meinem Medikament?
Haben Sie schon überlegt, ob alternative Heilmethoden für Sie in
Frage kommen, um Ihnen Linderung oder Heilung zu ermöglichen?
Akupunktur ist da zum Beispiel eine Alternative.
- Diabetes erkrankte Müttern beachten bitte
folgendes:
Falls Sie Diabetikerin sind, so müssen Sie sich von Ihrem Arzt/Ärztin darüber beraten
lassen, ob Sie die Behandlung wie bisher weiterführen sollen
oder inwiefern diese sich aufgrund des Stillens verändern muß. Bedenken
Sie, dass Insulin nicht in die Muttermilch über geht, aber Sie als
Mutter haben durch den veränderten Hormonhaushalt in der Stillzeit auch einen veränderten Insulinbedarf.
- Bitten Sie Ihren behandelnden Arzt gegenenfalls um
ein Medikament mit den geringsten Nebenwirkungen:
Wenn Sie nach der Geburt Ihres Babys an Verstopfung leiden, dann
sollten Sie nicht sofort zu einem abführenden
Medikament greifen oder sich verordnen lassen. Es besteht die Möglichkeit
bei einigen abführenden Medikamenten, dass Ihr Baby Durchfall
bekommt. Eine bessere Alternative sind zum Beispiel Leinsamen und
Weizenkleie. Wichtig ist hierbei, dass Sie ausreichend trinken, damit
sie auch tatsächlich wirken können. Selbst Trockenobst (z.B.
ungeschwefelte Trockenpflaumen) helfen gut. Bitte beachten Sie aber, sie
anfänglich nur in kleinen Mengen zu nehmen, da es auch beim Baby
abführend wirken kann.
- Stellen Sie fest, dass sich seit der Einnahme
eines Medikamentes sich Ihre Milchmenge
vermindert oder ob sich die Muttermilch in Ihrer Brust staut?
Es gibt
einzelne Medikamente, die die Menge der Muttermilch verringern oder den
Milchspendereflex negativ beeinträchtigen. Um festzustellen, ob das von Ihnen
eingenommene Medikamente solche Wirkungen hat, informieren Sie umgehend
Ihren Arzt/Ärztin! Ganz bestimmt gibt es ein anderes Medikament für
Sie, so dass Sie nicht abstillen müssen. Treten Sie selbstbewußt und
zielsicher bei dieser erneuten Beratung dem Arzt/Ärztin gegebüber
auf.
- Sind allergische Reaktionen auf das Medikament
innerhalb Ihrer Familie bekannt?
Wenn dies der Fall ist, dann besprechen Sie dies unbedingt mit
Ihrem Arzt/Ärztin und bitten Sie um ein anderes nicht
allergieauslösendes Medikament.
- Verhält sich Ihr Baby seit dem Zeitpunkt anders,
seit dem Sie begonnen
haben, das Medikament einzunehmen?
Falls ja, dann kontaktieren Sie umgehend
Ihren behandelnden Arzt. Das kann dann der Fall sein, wenn Ihr Baby
oder Kleinkind plötzlich ungewöhnlich lange schläft, Mahlzeiten
ausfallen
läßt und weniger lebhaft ist als gewohnt. Es muß aber nicht unbedingt an
der Medikamenteneinnahme liegen. Dennoch muß sie als mögliche Ursache
ausgeschlossen werden. Deshalb wie gesagt, sollten Sie unverzüglich bei solchen
Beobachtungen Ihren Arzt aufsuchen!
Wird das
Medikament als in der Stillzeit unbedenklich beschrieben?
Damit Sie diese
Unbedenklichkeit herausfinden, lesen Sie aufmerksam den
Beipackzettel.
Gibt er keine nähere Information dazu, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt/Ärztin.
Auf dem Beipackzettel ist die Telefonnummer des pharmazeutischen
Herstellers ersichtlich, sodass Sie im Zweifelsfall sich direkt bei
der Firma erkundigen können. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Sie
Ihren Arzt auf das !Buch "Arzneiverordnung
in Schwangerschaft und Stillzeit" von Schäfer und Spielmann 6.
Auflage Juni 2001 aufmerksam machen. Leider haben nicht alle Ärzte
dieses wichtige Fachbuch vorliegen und sind sicherlich dankbar für
Ihren Hinweis.
Erkundigen
Sie sich bei Ihre Arzt/Ärztin, zu welchem Zeitpunkt Sie das Medikament
am besten einnehmen sollten!
Jedes
Medikament braucht eine bestimmte Zeit bis es seine volle Wirkung zeigt
und sie auch entfaltet.
Wirkt ein Medikament innerhalb kürzester Zeit nach seiner Einnahme, so
sollten Sie es nicht unmittelbar vor dem Stillen einnehmen. Die
Medikamenteneinnahme sollte so geplant werden, daß der Zeitpunkt der höchsten
Wirksamkeit nicht mit der Stillmahlzeit zusammenfällt. Oftmals
ist dies im
Einzelfall nicht immer möglich, vor allem wenn Ihr Baby oder Kleinkind keinen
festen Rhythmus hat. Trotzdem sollten Sie sich von Ihrem
Arzt/Ärztin über den optimalen Zeitpunkt der Einnahme beraten lassen.
-
Folgende
Fachbücher sind für Ärzte und Apotheker empfehlenswert:
•
Spielmann, Schaefer „ Arzneiverordnung
in Schwangerschaft und Stillzeit"
6. Auflage Juni 2001 Urban und Fischer Verlag
• Kleinebrecht, Franz und Windorfer: „Arzneimittel in der
Schwangerschaft und Stillzeit" Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart.
Für
spezielle Fragen zum Thema Medikamente bietet die Universitätsklinik in
Ulm eine telefonische Beratung an.
Die „Beratungsstelle für Medikamente in
Schwangerschaft und Stillzeit" ist von
Montag bis Freitag in der Zeit
von 8-16 Uhr unter der Telefonnummer
07 31 /5 02 76 25 oder
unter der Faxnummer 07 31/5 02 66 80 oder 5 02 66 74 erreichbar. Anschrift:
"Beratungsstelle für Medikamente in der
Schwangerschaft und Stillzeit" in der Prittwitzstraße
43, 89075 Ulm. Hier können Fachleute, aber auch Sie als Privatperson sich
informieren und beraten lassen.
Die "Beratungsstelle des Embryonaltoxikologischen Institutes"
in 14050 Berlin
Spandauer Damm 130 Telefon 030 - 30 686-734 kann Ärzten und
Apothekern ebenfalls Auskunft geben. http://www.giftnotruf.de/embryotox/index.htm
Zu guter Letzt:
Ich möchte Ihnen mit dieser Checkliste, die sich an die Informationen
aus dem Buch
"Stillen und Stillberatung" von Carina Kroht Ullstein
Medical Seite 102 und 103 beziehen, eine hilfreiche Unterstützung
während einer Erkrankung mit Medikamenteneinnahme bieten. Auf jeden
Fall wünsche ich Ihnen von Herzen
Gute Besserung!
© Elke Vogt
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