Erstes Anlegen nach der Geburt

Wie haben Sie das erste Stillen nach der Geburt Ihres Babys erlebt? Wurden Sie unterstützt, blieb Ihr Baby ausreichend lange Zeit bei Ihnen, um selbständig den Weg zu Ihrer Brust zu finden? Oder wurden Sie und Ihr Baby sofort durch die Routine um Sie herum gestört? Würden Sie bei einer weiteren Geburt etwas ändern wollen? 
 

Die ersten Erfahrungen lesen Sie hier:

Robin

Ich habe bei meinen beiden Geburten zwei ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht - die erste eher negativ, die zweite sehr schön. Als vor bald vier Jahren Robin auf die Welt kam, war das eine sehr stressige Zeit. Der Sommer '97 war superheiß (was ich nicht gut vertrage) und ich habe kurz vor der Geburt Bluthochdruck bekommen.
Ich wurde ins Krankenhaus eingewiesen und zwei Tage später wurde die Geburt eingeleitet, weil der Hochdruck medikamentös nicht zu senken war (er ging erst 2-3 Wochen nach der Geburt auf normale Werte zurück). 14 Stunden nach dem zweiten Einleitungsversuch und unter Anwendung eines Dammschnittes wurde Robin geboren - und sofort abgenabelt und weggenommen, weil das Fruchtwasser grün war. Zum Glück ging es ihm gut, aber ich bekam ihn erst nach 10 Minuten, schreiend wie am Spieß! Zwar durfte ich ihn dann ein bißchen im Arm halten, an ein Anlegen im Kreißsaal war aber nicht zu denken, da ich schon bald zwecks Vernähen und Curettage (bei der Nachgeburt war die Plazenta nicht vollständig) weggekarrt wurde. Ich wachte aus der Narkose im OP-Saal auf, wo ich über eine halbe Stunde lag, ohne daß sich irgendjemand um mich gekümmert hätte; niemand sagte mir, wo mein Kind war und wie ich zu ihm gelangen könnte ... Ich war ziemlich sauer und verzweifelt. Schließlich konnte ich jemanden aufmerksam machen und irgendwann wurde ich dann auf die Wochen-Station gebracht.
Noch ein bißchen Warten und dann kamen endlich mein Mann und Robin dazu - mehr als vier Stunden nach der Geburt. Die Station in einem Krankenhaus der Jahrhundertwende wurde gerade umgebaut und ich war in einem kleinen Zimmer mit drei (!) anderen Frauen untergebracht - davon eine Zwillingsmutter - die zum Teil dauernd Besuch hatten. Es war immer noch sehr heiß und ich hatte seit der Einlieferung nicht geschlafen, was eigentlich bis zu meiner Entlassung 7 Tage nach der Geburt so blieb. 
Klar, daß in so einer Situation das erste Anlegen und überhaupt das Stillen nicht gut klappte, zumal es ja mein erstes Kind war. Mein Mann (stammt aus einer Bauernfamilie) setzte dem ganzen die Krone auf mit den für mich unvergesslichen Worten, es gebe Muttertiere, die ihre Jungen nicht annehmen würden, so etwas komme sicher auch bei Menschen vor ... Im nachhinein ist das lustig, weil ich Robin dann 3 1/2 Jahre gestillt habe, aber damals war ich empört und tief verletzt! Tatsächlich hat das Stillen dann ca. 1 1/2 bis 2 Wochen nach der Geburt - also erst nach etlichenTagen zu Hause - so richtig geklappt, und bei anderen Frauen hat es nach der ersten Geburt etwa ebenso lange gedauert. In dieser Zeit muss man entweder fest entschlossen zum Stillen sein oder aber gut beraten werden ... und an guter Stillberatung fehlt es in den Krankenhäusern und auch danach leider immer noch, sonst würden doch nicht so viele Frauen innerhalb der ersten drei Monate abstillen.

Ronas

Ganz anders verlief das erste Anlegen dann bei der zweiten Geburt. Zum Glück! Nach einem Fehlalarm und zunächst etwas zögerlichem Geburtsverlauf kam Ronas in diesem Februar nach Eröffnung der Fruchtblase innerhalb einer 3/4 Stunde auf die Welt - und damit auch in meine Arme. Zwar musste er leider auch fast sofort abgenabelt werden, weil angeblich die Nabelschnur zu kurz war, um ihn mir in den Arm legen zu können (was ich ja nicht kontrollieren konnte), aber dafür bekam ich ihn dann auch gleich und durfte ihn fast zwei Stunden behalten - ohne Waschen, Wiegen, Untersuchung, etc.! Das wurde alles erst später gemacht... 
Ich konnte ihn in Ruhe ansehen, beschnuppern, über seine markante Nase staunen (ganz wie beim Papa) und ihn ca. 1/4 Stunde nach der Geburt auch anlegen. Er hat eine Stunde lang getrunken! (Natürlich nicht ununterbrochen.) Das war ein optimaler Start und inzwischen hatte ich durch die lange Stillzeit beim ersten Kind genügend Selbstvertrauen gewonnen, um die Sache ganz "lässig" anzugehen. Es hat alles wunderbar geklappt, bis heute (Ronas ist 4 1/2 Monate alt) hat er noch nicht ein Tröpfchen andere Flüssigkeit als Muttermilch bekommen - obwohl ich inzwischen wegen einer schweren Mandelentzündung Antibiotika nehmen musste und er leider eine Penicillin-Allergie entwickelt hat - und das soll mindestens noch 1 1/2 Monate so bleiben. 

Wie lange ich ihn stillen werde? Da lasse ich mich überraschen. Gewiss werden wir das "gemeinsam" entscheiden ... Ich hoffe, meine Geschichte macht den Leserinnen Mut, über etwaige Anfangsschwierigkeiten beim Stillen nicht zu verzweifeln und wünsche allen Müttern eine glückliche Stillzeit!

Viele Grüße

Oda aus Hamburg

 

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